Interview Neuer selly-Geschäftsführer: „Wir wollen den Marktanteil ausbauen“

Jetzt ist es offiziell: Der neue Geschäftsführer von selly heißt Jacques Fischbach. Geboren in Luxemburg studierte er zunächst Maschinenbau und war dann Geschäftsführer eines Berliner Start-ups. Für selly hat er sich viel vorgenommen.

Sie sind jetzt offiziell als Geschäftsführer von selly eingetragen. Wie fühlen Sie sich?

Aufgenommen. Ich bin ja schon seit Juni bei selly und jeder Anfang ist ein bisschen schwer, aber das ganze Team hat es mir sehr einfach gemacht. Ich bin sehr gut aufgenommen worden und habe von allen Seiten den Input bekommen, den ich brauchte. Ich fühle mich sehr wohl hier und habe mit allen im Team einen guten Start gehabt.

Was bedeutet dieser Schritt für Sie persönlich? Ihre Vita führte Sie ja nicht geradewegs zu selly?

Wenn man rein den Lebenslauf betrachtet, ist es ein großer Schritt. Ich komme aus dem technischen Bereich, bin gelernter Maschinenbauingenieur, da ist die IT-Dienstleistungsbranche ein ganz anderes Thema. Ich musste mir diesen Schritt gut überlegen. Aber heute kann ich sagen: Es war eine sehr gute Entscheidung. Man wächst mit seinen Herausforderungen. Und etwas Fachfremdes zu machen, ist sehr, sehr spannend.

Wie ist Ihr Eindruck von der Foodservice-Branche und von selly?

Ich habe einen ganz positiven Eindruck von der Branche. Bei den ersten Kontakten mit Partnern, Einkäufern und Lieferanten haben alle vollstes Verständnis für die doch schwierige Situation von selly gehabt. Daher kann ich sagen: Nicht nur das selly-Team, auch die  Einkäufer und Lieferanten haben mich gut aufgenommen.

Bei selly ist eine Menge Wissen in den letzten 20 Jahren angewachsen und es gibt noch viel Potenzial, das wir gemeinsam angehen wollen. Da ist noch Luft nach oben.

Jean-Jacques Fischbach, Geschäftsführer der sellysolutions Servicegesellschaft mbH

Wo sehen Sie denn Potenzial?

Die Potenzialausreizung liegt im Außer-Haus-Markt. Wenn man sich anschaut, was alles in der Lebensmittelbranche nach außen geht und welchen Anteil wir mit selly daran haben – da kann man noch eine ganze Menge ausbauen. Wir wollen sowohl noch mehr Einkäufer als auch Lieferanten generieren. Die selly Foodservice Cloud gilt es, weiter Richtung Kundenzufriedenheit zu entwickeln, um Beschaffungen so einfach wie möglich zu machen.

Im Moment schmieden wir Pläne zur Ausrichtung des Unternehmens für die kommenden zwei Jahre – die werden in der nächsten Zeit konkretisiert.

Als Nachfolger von Andreas von Czapiewski treten Sie in große Fußstapfen. Wie gehen Sie damit um?

Mit allergrößtem Respekt. Am Anfang habe ich eine Zeit lang gebraucht, um zu überblicken, was in den letzten Jahrzehnten gemacht wurde. Von Tag zu Tag merkt man, mit welcher Leidenschaft und Präzision die Leute hier in der Firma, auch Andreas, das Thema angegangen sind. Es ist beeindruckend, was in den letzten 20 Jahren geschafft wurde – vom Team, von den Inhalten und Produkten her. Ich habe einen Riesenrespekt davor, was hier geschafft wurde. Da hat man damals aufs richtige Pferd gesetzt. Gleichzeitig gibt es noch viel Potenzial.

Was sind die größten Herausforderungen für Sie und für selly?

Erstmal müssen wir schauen, und da sind wir schon mittendrin, dass wir die Auswirkungen der Corona-Pandemie erfolgreich überstehen. Den Umsatztiefpunkt hatten wir Anfang des zweiten Quartals. Aber wenn weitere Lockdowns folgen würden, wären das für uns direkte Umsatzeinbußen. Sobald Gastro und Gemeinschaftsverpflegung zumachen müssen und keine Lebensmittel mehr einkaufen, betrifft uns das auf direktem Weg. Es ist unser aller Herausforderung, die Pandemie gut zu überstehen, in der Hoffnung, dass die Leute die ganzen Maßnahmen und Vorgaben konzentriert und intelligent durchziehen, damit es nicht zu weiteren Lockdowns kommen wird. Das wäre sowohl für uns als auch die ganze Wirtschaft ein großes Manko.

Langfristig sehe ich es als Herausforderung, den Stellenwert von selly auf dem Markt zu behaupten und auszubauen, die Zufriedenheit der Einkäufer weiter zu erhöhen und weitere Lieferanten zu gewinnen.

Wie sehen Sie die Zukunft von selly?

Mehr als die Grundlagen sind bereits geschafft. Wir müssen mit voller Konzentration auf dem Markt agieren und die gewohnte Qualität weiterführen. Der Erfolg von selly und die Marktanteile gehen dann Hand in Hand.

Für Andreas von Czapiewski war es immer wichtig, dem Markt voraus zu sein. Ist das auch für Sie ein Thema?

Dem Markt voraus zu sein ist unabdingbar, um erfolgreich zu sein. Um die Einkäufer bei Laune zu halten, müssen wir immer neue Entwicklungen anbieten. Zum Thema Künstliche Intelligenz, das Andreas angestoßen hatte, hatten wir erste Gespräche mit Hochschulen und mit den Projektpartnern. Ich muss ehrlich sagen, die Ideen zum Thema Lagerwirtschaft und Lebensmittelverschwendung sind sehr beeindruckend. Wenn Hochschulen und renommierte Institute wie das Fraunhofer Institut daran arbeiten, dann haben wir aufs richtige Pferd gesetzt. Dieses zukunftsorientierte Arbeiten, die Digitalisierung, wird nicht Halt machen. Die ersten Schritte dazu sind bei selly schon passiert.

Und wie kommen Sie als Luxemburger in Berlin kulinarisch klar?

Ich habe die Currywurst schätzen gelernt. In Luxemburg findet man das eher nicht auf der täglichen Speisekarte. Aber eine gute Currywurst mit Pommes, das hat schon was. Die Luxemburger Küche kommt ja nah ran an die französische, aber ich bin da eher unkonventionell. Mein Lieblingsessen sind Nudeln.   Fotos: sellysolutions Servicegesellschaft mbH